Es geht nicht um die Frage ob intelligente Maschinen Einzug in unseren Alltag und unser tägliches Leben haben. Das wird längst vollzogen. Wir reden hier darüber, welche Rolle in unserem täglichen Leben wir ihnen zugestehen wollen.

Dabei geht es vor allem um die Distanz. Unser persönliches Umfeld von unsichtbaren Robotern freizuhalten, wird uns nicht gelingen und kann auch nicht das Ziel sein. Die entscheidende Frage ist, wer hat das Recht auf diese Daten? Aus Unternehmenssicht ist die Antwort klar: der Eigentümer des Roboters bekommt die Daten. Aus Konsumentensicht muss genau das verhindert werden.

In Gesprächen weisen Unternehmen, die ‚intelligente‘ Waschmaschinen verkaufen, einen Missbrauch der Daten weit von sich und pochen auf ihre Moral und das ‚reine‘ Geschäftsinteresse. Die Frage richtet sich aber mehr an eine Zukunft, wenn unser Haushalt von einem Netz von extern kontrollierten Sensoren und Devices überzogen ist. Kein Hersteller oder keine Plattform interessiert sich für die andere im Haus. Aber wer auch immer sich für das Zusammenspiel zwischen ihnen interessiert, der hat gute Chancen auf Intimwissen.

Künstliche Intelligenz muss eine gewisse Distanz zu unserem Leben einhalten, sonst wird es sehr schwierig, die Bedingungen für einen langfristigen Verwertungserfolg zu schaffen. Distanz zum Individuum ist eine Frage, die über den langfristigen Erfolg vieler Technologien entscheidet, in die heute investiert wird.

Das Individuum steht im Mittelpunkt wirtschaftlichen Handelns. Er ist das Subjekt und entscheidet aus eigener Vollkommenheit. Er hat das Recht (und die Aufgabe), seine Talente und Interessen zu entfalten und auszuleben. Aber überall dort, wo die Maschinenintelligenz sich in einen persönlichen Bereich hinein bewegt, ist der Weg ein kurzer, den Kunden nicht zum Nutzer, sondern zum Objekt der Intelligenz zu machen.

Realistisch betrachtet nimmt die technische Entwicklung eher diese Richtung. Intelligente Maschinen werden darauf ausgerichtet, den Kunden in seinem Verhalten errechenbar zu machen. Auch wenn dies noch nicht oft gelingt, ist die Tendenz doch ungebrochen.

Dort hingegen, wo das Individuum von einem immer dichteren Netz von Sensoren umgeben ist, wächst sein Gefühl, in einer Zwangsjacke zu leben. Das macht Menschen, und damit die Kunden, zu Rebellen.

Die Geschichte zeigt, dass jede Gesellschaft, die auf das Prinzip setzte, den Bürger zu einem Objekt und aus den Individuen eine Masse zu machen, nur eine kurze Lebensdauer hatte. ‚Kurze Lebensdauer‘ hingegen ist ein schlechtes Stichwort, wenn es darum geht, eine neue Industrie mit Investmentkapital zu füttern.

Eine dauerhafte und selbsttragende Entwicklung ist nur mit Kunden und Nutzern zu gewährleisten, die fähig sind, diese Entwicklung für ihre eigenen Interessen wirksam werden zu lassen und sich selbst dabei als Konsumenten zu entwickeln.

Werden sie von der Digitalen Intelligenz ermutigt, befähigt, ihr eigenes Leben besser zu entwickeln, Initiative zu entfalten und sich zu bewegen? Oder wird die Digitale Intelligenz den Einzelnen erdrücken, beobachten, bewachen, einengen? Wird die Technik sich gegen das Individuum wenden, oder ihm zu weiteren neuen Möglichkeiten verhelfen, über sich selbst hinauszuwachsen? Das ist das langfristige Erfolgskriterium für jede ‚intelligente‘ Technologie. Diese Frage ist damit auch eine nach der Fristigkeit von Investitionen, die heute getätigt werden: Strohfeuer oder Nachhaltigkeit.

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